Singschwan

Vorkommen:

bisher nur im Februar 2018 am Pfefferfließ gesichtet, Schwarm von knapp 20 Tieren, dann nochmal eine Gruppe von 9 Tieren am Seddiner See Silvester 2018, im Dezember 2019 wieder einige am Pfefferfließ

Merkmale:        

Größe wie der Höckerschwan, aber schlanker, die Weibchen sind kleiner als die Männchen, beide schneeweiß, schwimmt mit gradem Hals, den er meist senkrecht hält, flacher Kopf, der waagerecht gehalten wird, was etwas „eckig“ aussieht, Schnabel als Verlängerung der Stirn, am Ansatz gelb, vorne schwarz, fliegt ohne Flügelgeräusche und "singt" eigentlich immer

Besonderer Unterschied zum Höckerschwan: Beim Drohen erhebt sich der Singschwan weit aus dem Wasser und streckt den Hals in die Höhe, wobei die Flügel flach seitlich abgestellt werden. Der Höckerschwan droht mit flachem, leicht gebogenem Hals und gebeugten, flatternden Flügeln.

Begegnung:

Als ich mit meinen Fotoexkursionen im Jahre 2016 begann, fuhr ich 100 km nach Süden zu den Elbauen bei Dessau. In einem weitläufigen Schutzgebiet war ich schon fast am Ende meines Rundgangs, als ich auf einem Feld mit junger Getreidesaat eine gigantische Schar Schwäne sah. Ein älterer Herr, ein Anrainer, kam vorbei und klärte mich freundlich auf, er habe in der Menge mindestens einen Singschwan ausgemacht. Weil ich höflich bin, erwiderte ich nicht: „Ach ja? Und welcher isses?“, sondern zeigte mich beeindruckt. So fand ich heraus, dass es in Deutschland Singschwäne gibt. Immer wieder hielt ich nach dieser neuen Spezies in meiner Region Ausschau, doch letztendlich entpuppte sich jeder weiße Riesenvogel als Höckerschwan.

Im Februar 2017 wurde am Pfefferfließ die eine Flussseite komplett abgemäht. Auch einige junge Sträucher wurden brutal herunter geschnitten. Nur an wenigen Stellen ließ man etwas Röhricht stehen, wahrscheinlich weil der Mäh-Traktor mit seinen breiten Reifen nicht so nah an den steilen Uferrand fahren wollte. Ich war damals sehr traurig und auch ziemlich verwirrt, denn ich dachte, dass man in einem Naturschutzgebiet keine derart radikalen Eingriffe vornehmen darf. So war die Sicht vom Wanderweg auf die Gewässer zwar deutlich verbessert, aber leider zogen sich viele Arten mangels Schutzzone auch zurück. Auch die weniger empfindlichen Sorten wie Schwan und Stockente nahmen zahlenmäßig deutlich ab. Da nützt einem die freie Sicht gar nichts, wenn es nichts mehr zu sehen gibt. Scheinbar ist das außer mir keinem aufgefallen, oder die ansässigen Naturschützer sind noch nicht so weit, aus Fehlern zu lernen. Jedenfalls wurde im Februar 2018 der gleiche Kahlschlag durchgeführt, mit dem Erfolg, dass an einem herrlich sonnigen Februarsonntag lediglich Meisen, Krähen und einige Stockenten das Fließ bevölkerten. Sehr schade! Auch vom Aussichtsturm konnte ich nur einige Entengruppen in weiter Ferne auf Nachbarseen ausmachen. Die Entfernungen sind für mein Teleobjektiv zu weit. Trotzdem machte ich ein paar Fotos von Schwänen, die sich zankten. Entfernung etwa 400 m. Besser als Nichts!

Am PC zoomte ich die Schwanbilder, um zu sehen, ob sie wenigstens scharf genug waren, um sich für eine Vergrößerung zu eignen (ehrlich: wäre es der Höckerschwan gewesen, hätte ich sie gelöscht). Aber mir fiel ein Unterschied zu den Höckerschwänen auf, denn die kenne ich wirklich gut in allen Lebenslagen. Als erstes stach ins Auge, dass diese Vögel schlanker waren. Als zweites, dass sie nicht alle gleich groß waren, und sogar Jungvögel der Höckerschwäne erreichen nach 1 Jahr die Größe der Eltern, auch wenn sie noch graubraun gefärbt sind. Leider war das eindeutige Erkennungsmerkmal des Singschwanes (der gelbe Schnabelansatz, nur auf einem Zoom zu erahnen) nicht sicher zu erkennen, wohl aber die andere Kopfform und der „steife“ Hals. In meinem schlauen Vogelbuch stand dann auch das Unterscheidungsmerkmal mit der Drohgebärde. Und weil ich das Glück hatte, zankende Singschwäne zu knipsen, konnte ich nun alle Zweifel beseitigen. Scheint, als hätte ich jetzt 120 heimische Vögel in meinem Sortiment. Die Fotos könnten viel besser sein!

zum Vergleich: ein "drohender" Höckerschwan

Der Singschwan blieb lange eine „Eintagsfliege“. Er soll (laut meinem Vogelbuch) auch nur vom Herbst bis zum Frühling bei uns vorkommen. Silvester 2018 waren wir nach der Geburtstagsfeier meiner Mutter im Hellen wieder zu Hause. Ich entschloss mich, nochmal mit dem Hund zum See runter zu gehen. Die Kamera hatte ich aus Gewohnheit dabei, aber das Licht war fast schon zu dunkel. Über dem See flog eine Gruppe großer, weißer Vögel. Ich tippte auf Silberreiher, die sich dem westlichen Ufer näherten und dort wahrscheinlich landen würden. Taten sie aber nicht! Ich konnte sie nicht mehr sehen, aber noch hören, und es waren nicht die Rufe der Silberreiher, die mir sehr vertraut sind.

Als die Vögel dann über den Bäumen am See aufstiegen, zückte ich die Kamera und machte Fotos. Ich rechnete nicht mit einer Sensation. Schon bald war mir klar, dass es Schwäne waren. Aber die allgegenwärtigen Höckerschwäne rufen meistens nicht beim Fliegen, doch sie machen mit ihren Flügeln laute, pfeifende, weit hörbare Geräusche. Diese Schwäne flogen (von den Rufen abgesehen) lautlos.

Es waren neun Vögel, und sie flogen nicht nur über die Wiese, sondern direkt über mich hinweg. Alle 9! Dazu muss ich sagen: die Wiese ist riesig! Sie hätte überall lang fliegen können. Einen Vogel knipste ich direkt über mir. Sie verschwanden über dem Wald, in dem mein Haus liegt. Und ich stellte entsetzt fest, dass ich bei der Kamera das Automatik-Programm eingestellt hatte – nicht den Sportmodus. So ein Ärger! Ob die Fotos scharf geworden sein würden, war fraglich. Meine Enttäuschung hielt sich zunächst in Grenzen, denn scharfe Flugfotos von Höcker-Schwänen im Sonnenschein hatte ich schon reichlich.

Zu Hause sichtete ich die Fotos. Ja, die Schwan-Bilder waren suboptimal, aber doch scharf genug, um zu erkennen, dass es sich um Singschwäne handelte. Nun war ich doch etwas ärgerlich über meinen Faux pas! Es fliegen am Silvesterabend 9 Exemplare direkt über mich hinweg, und ich habe das falsche Foto-Programm eingestellt! Das ist in jedem Fall ein Omen, aber ist das nun ein gutes oder ein schlechtes? Ich denke mal darüber nach und warte den Jahresverlauf ab. Was mich jedoch freut, ist, dass ich auf dieser Seite den Header gegen ein besseres Bild tauschen kann.

 

An einem milden Tag Mitte Dezember 2019 besuchte ich mal wieder das Pfefferfließ. Auf dem See westlich vom Fließ sah ich durch die Bäume eine kleine Gruppe Schwäne, die ich sofort als Singschwäne identifizierte, weil sie ihre Hälse so grade in die Höhe reckten.

Ein paar 100 m weiter kann man diese Stelle des Sees etwas besser einsehen, und ich konnte zunächst 5 Exemplare zählen. Insgesamt waren es 8, die sich fast formationsartig auf dem Wasser bewegten. Und sie sangen! Ich kann mich nicht erinnern, diese Töne schon mal bewusst wahrgenommen zu haben, aber sie unterscheiden sich von allen mir vertrauten Vogellauten. Trotz der Entfernung und der unzureichenden Lichtverhältnisse wurden einige Fotos scharf genug, um die unterschiedliche Färbung zu erkennen.

Die Jungvögel sind noch nicht reinweiß wie ihre Eltern, was man ja bereits vom Höckerschwan kennt. Deren Jungvögel sind allerdings eher bräunlich, während der junge Singschwan einen grauen Kopf und Hals aufweist. Der gelbe Schnabel ist noch ziemlich blass. Im Gefieder finden sich noch dunkle Stellen. Was die Vögel aufgeschreckt hat, weiß ich nicht, aber beim Starten machen sie ein ähnliches Theater wie ihre Verwandten mit dem Höcker. Ein paar Enten fliegen sicherheitshalber auch gleich mit auf.

Wenn sie fliegen, sind sie sicher durch die Lautlosigkeit vom Höckerschwan zu unterscheiden. Ansonsten ist eine Identifizierung besonders bei größeren Entfernungen schwierig.

Die Familie flog eine große Runde, bis sie auf dem großen See südöstlich vom Aussichtsturm landete. Zwei Bilder waren besonders stimmungsvoll.