Zaunkönig

Vorkommen:

Seit 2005 in meinem Garten (nachgewiesen), auch im Hauswald und am Pfefferfließ, oft versteckt in Hecken

Merkmale:

winziger Vogel, Gefieder in einem völlig unauffälligen, hellen Braunton, zarter Überaugenstreif, stellt seinen kurzen, dunkel quer gebänderten Schwanz keck nach oben, liebt dominante Sitzplätze, trällert von dort in einer atemberaubenden Lautstärke die schönsten Melodien.

Nahrungsverhalten:

Ernährt sich von Insekten und verschmäht darum das Futterhaus

Fortpflanzung:

Baut kleine, tennisballgroße Nester mit winziger Öffnung, in die trotzdem 6 Küken passen

Begegnungen:

Der Zaunkönig gehört zu meinen Lieblingsvögeln. Wenn man ihn hört, vermutet man einen viel größeren Vogel mit eine ordentlichen Resonanzkörper. Er kann auch ziemlich energisch schimpfen.

Wir hatten 2005 ein Zaunkönigpaar, das sich (mit meiner Hilfe) ein Nest unter dem Terrassendach baute und einige Jahre darin Junge aufzog. Der Nestbau war wirklich gewagt. Die Familie hatte sich eine Ecke mit einem Dachbalken ausgesucht und versuchte, zwischen Balken und dem etwa 2 cm breiten Überstand einer Außenleiste Nestmaterial zu verflechten. Ich bemerke das Unterfangen, weil ständig Kiefernadeln und Moos auf meinem Terrassentisch lagen. Irgendwann beobachtete ich dann die kleinen Vögel, und sie taten mir sofort leid. Also trennte ich ein dreieckiges Stück Fliegengitter ab und tackerte es von unten an Balken und Leiste. Und siehe da: der Nestbau wurde zum Erfolg. Dass auch die Aufzucht ein Erfolg wurde, sahen wir später, als die ersten Nestflüchtigen in unseren Gartenschuhen saßen.

Mein Mann hatte noch ein Erlebnis der besonderen Art. Auf dem Weg mit dem Auto zur Arbeit vernahm er im hinteren Raum seltsame Quietschgeräusche. Das Auto war noch recht neu, darum machte er sich keine weiteren Gedanken. Aber auf der Rückfahrt traten die Geräusche wieder auf. Er hielt besorgt an und untersuchte Rücksitze und Kofferraum, wo er ein Zaunkönigküken fand, das nach der Mutter rief. Schnell schloss er die Klappe wieder, damit es nicht flüchten konnte, und fuhr zügig nach Hause. Dort zeigte er uns den kleinen Unglücksraben, der mit seinem Gepiepse auch sofort ein Elternteil anlockte. Wir zogen uns etwas zurück und beobachteten gerührt, wie der Altvogel das Küken zum „Aussteigen“ bewegte und ins sichere Gebüsch lotste.

Das Nest wurde jedes Frühjahr neu für die Fortpflanzung verwendet und im Sommer als Schlafquartier genutzt.  Im Winter kam in der Dämmerung die ganze Familie zurück ins Nest, um die Nacht darin zu verbringen. Es blieb mir ein Rätsel, wie bis zu 7 Vögel in einem Nest Platz fanden, das kaum größer als ein Tennisball war. Aber so hielten sie sich warm. Wahrscheinlich müssen Zaunkönige auch nicht nachts aufs Klo. Als wir die Terrasse ausbauten, musste das Nest weichen. Sie lebten erst in einer Luke hinterm Haus neben dem Ausgang der Dunstabzugshaube. Jetzt sind sie schon lange umgezogen, aber 1-2 Vögel sehe ich noch regelmäßig im Garten, im Sommer und im Winter.

Im Juli sehe ich im Wald öfter Zaunkönige, was mich zunächst wunderte. Inzwischen habe ich heraus gefunden, dass unsere heimischen Jungvögel weniger scheu sind als die Alten (vergl. meine Berichte über Drosseln). Das gilt auch für den Zaunkönignachwuchs. Zaunkönige haben zwar generell einen etwas nach unten gezogenen Schnabelansatz, weshalb sie immer ein bisschen miesepeterig aussehen, aber bei den Jungvögeln ist das noch viel ausgeprägter. Außerdem ist der Schwanz noch kürzer (auch ein typisches Jungvogelzeichen). Der Augenstreif ist noch nicht zu sehen und die Flügel sind ähnlich wie der Schwanz dunkelbraun quer gebändert. 3 meiner schönsten Jungvogelbilder zeige ich hier.