Seeadler

Vorkommen:   

ganzjährig, ein Paar am Seddiner See, einen Einzelvogel am Pfefferfließ und am Blankensee

Merkmale:        

größter Greifvogel in meiner Region, überwiegend braun, auf dem Rücken und der Flügeloberseite mit heller Zeichnung, kurzer weißer Schwanz, breite, rechteckig wirkende Flügel, in der Regel ruhiger Flug mit weiten Flügelschlägen, kann aber über dem Wasser sehr akrobatische Figuren fliegen und ansatzweise „rütteln“, mächtiger gelber Schnabel und gelbe Füße

Begegnungen:

Natürlich habe ich schon Adler gesehen. Der Berliner Zoo hat einige, verschiedene Exemplare. Ich war auch schon auf einem Greifvogel-Hof und habe mir Flugshows angesehen. Aber einen völlig frei lebenden Adler hatte ich bis 2015 nicht gesehen, obwohl die Anzahl der Brutpaare im Osten Deutschlands immer weiter zunehmen soll.

 

In meiner Region (Blankensee, Pfefferfließ und dem gesamten Naturpark) sollte es Fischadler und Seeadler geben. An einem herrlichen Tag Ende März hatte ich beim Auswerten meiner Fotos vom Pfefferfließ dann überraschend einen Greifvogel im Flug erwischt, der ganz unzweifelhaft einen Adlerkopf hat. Da er nicht die für den Fischadler typische schwarzweiße Färbung aufwies, ordnete ich ihn der Gattung Seeadler zu. Leider blieb es lange bei diesem einen Exemplar.

 

 

Etwa ein Jahr später sah ich an unserem See gelegentlich einen großen Raubvogel, aber wegen der Entfernung wurden die Bilder eher mittelmäßig. Zumindest wusste ich jetzt sicher, dass es den Seeadler auch vor meiner Haustür gab und hielt immer wieder nach ihm Ausschau. An einem sonnigen Morgen im März saß ich mit meinem Hund am Seeufer, als plötzlich in der Nähe diverse Vögel ein lautes Geschrei anstimmten. Ich sah schnell, was die Vögel alarmiert hatte, denn der Seeadler kam in tiefem Flug direkt auf mich zu und zog entspannt an mir vorbei. Die meisten Bilder wurden scharf, und von da ab wagte ich, mich „Fotograf“ zu nennen.

Ebenfalls im März entdeckte ich auf einem Foto am See dann noch einen zweiten Adler. Seitdem habe ich das Paar regelmäßig gesehen, aber meistens nur in der kälteren Jahreszeit. Sehr ulkig wurde eine Fotostrecke auf einer „Landzunge“, die in der Regel von Reihern und Schwänen, aber auch Enten, Möwen, Gänsen und manchmal Kranichen als sicherer Platz genutzt wird. Nun, wenn die „Könige“ des Sees kommen, müssen sie alle weichen. Das Paar verbrachte dort viel Zeit, wenn sie herum watschelten und dabei hin und her wankten, wirkten sie aber nicht sehr majestätisch.

Auch am Fließ gelangen mir immer mal wieder nette Bilder. Irgendwann bekam ich sogar „Sitz“-Fotos, als der mächtige Vogel einen der Lieblingssitzplätze belegte (vorher habe ich dort schon den Fischadler, den Grau- und Silberreiher sowie Tauben und Krähen geknipst).

 

 

Sehr gerne fotografiere ich auch Möwen und Krähen, wenn sie versuchen, einen Raubvogel in die Flucht zu schlagen. Sehr mutig, auch wenn sich der Adler selten beeindruckt zeigt. Keine Probleme mit Greifvögeln haben die Reiher. Die kreuzen die Wege der Adler ohne mit der Wimper zu zucken.

Dass der Seeadler im Winter bei uns bleibt, kann ich beweisen. Am Fließ stand ein Vogel lange an einer Stelle auf einem zugefrorenen Nachbarsee.

Es widerstrebt mir, unscharfe Fotos zu präsentieren. Aber wenn ich eine Sensation ablichte und dabei das Objekt sehr weit weg ist (siehe Zwergsäger) oder meine Hände vor Aufregung unruhig waren (siehe Hase), dann siegt der Drang, das Außergewöhnliche zu zeigen, über meinen Knipser-Stolz. An einem frühen Morgen im August 2018 flog der Seeadler (weit entfernt von meinem Spazierweg) über die Wiese am See. Das macht er selten. Bisher habe ich ihn meistens über dem See entdeckt. Und weil es in Sachen Vögel im Moment ziemlich ruhig ist, habe ich ein paar Bilder gemacht, denn wegen der Größe wusste ich auch ohne Brille, wer da schwebte. Und der Seeadler war immer für eine Überraschung gut.

Erst zu Hause am PC entdeckte ich, dass er Beute gemacht hatte. Und im Gegensatz zum Fischadler, der noch einige Zeit triumphierend mit seinem  Fisch seine Kreise zieht, flog der Seeadler zielstrebig in den Waldgürtel. Bei dem ersten Bild, auf dem ich die Beute erkennen konnte, war ich etwas geschockt, denn es sah aus, als hätte der Greif einen Silberreiher in seinen Fängen. Seine Beute war weiß und schmal – wie der Hals eines Silberreihers. Die Perspektive ließ den weißen Schwanz des Adlers aussehen wie ein Vogelkörper, und zwei lange schwarze „Striche“ (Reiherbeine?) hingen auch herab.

Doch die nächsten Bilder brachten Entwarnung: es war offensichtlich ein Aal. Doch gab es weiße Aale? Im Internet gibt es auf alles eine Antwort, wenn man kein Experte ist, aber gezielte Fragen stellt. Aale verändern im fortgeschrittenen Alter ihre Farbe und werden erst zu Silberaalen und dann zu Blankaalen (die sind dann weiß). Ich präsentiere hier also einen Seeadler, der einen Blankaal  gefangen hat. Sorry, dass ich kein Stativ dabei hatte und der Adler so weit weg war. Ich verbuche es trotzdem in der Kategorie: Knipserglück!

Hier kommen mal wieder ein paar echte Star-Fotos. Ein Jungadler kreiste über mir am Pfefferfließ im August 2018. Irgendwann kam auch noch ein Geschwisterkind dazu. Jugendliche Seeadler haben noch keinen rein weißen Schwanz und auch das Federkleid ist noch mit weißen Federn durchsetzt. Scheinbar gilt für Adler die gleiche Regel wie für Kleinvögel: die Kinder sind weniger scheu!

Im Oktober 2018 habe ich am Fließ ein ganz besonderes Schauspiel beobachtet. Dass einige Fotos auch noch annehmbar scharf geworden sind, freut mich natürlich besonders. Aber auf Grund der Entfernung und der Situationshektik sind die Bilder nicht brillant genug, um ihnen eine eigene Staffel bei den Starfotos zu geben. Zwei Seeadler haben sich bekämpft. Es ist nur eine Mutmaßung, aber weil beide noch keinen völlig weißen Schwanz haben, tippe ich auf Geschwister im zweiten Jahr, die um das Revier streiten.

Auf diesem Bild könnte man noch an ein Paar denken, dass sich im Herbst müßig dem gemeinsamen Gleitflug hingibt. Aber dann wurde es heftig. Die Bilder sprechen für sich, und ich hätte noch viele weitere vorgestellt, wenn die Bildqualität es zugelassen hätte.