Zurück zur Natur

Als ich noch ein Kind war, interessierte sich keine Sau für Umweltfragen. Es gab Autos, deren Abgase heutzutage bei jedem Durchschnittsbürger einen Würgereiz oder Atemnot auslösen würden. Es gab Heizöfen, in denen man alles verbrennen durfte, was sich eben verbrennen ließ, auch lackiertes Holz und Presspanplatten. Und niemand scherte sich darum, wo der Strom herkam („Na, aus der Steckdose! Woher sonst?“).

Dann kam der „saure Regen“ (zumindest in Westdeutschland, in Ostdeutschland wurde das Problem nicht publik gemacht). Zur Erklärung für die jüngeren Generationen: Die Nadelbäume in Deutschland verloren ihre Nadeln flächendeckend. Als Ursache wurde eine Übersäuerung des Regens ausgemacht, verursacht von den Autoabgasen und Luftverschmutzung durch Braunkohleöfen. Die ersten Naturschützer traten auf den Plan und gründeten gleich eine Partei. Damals wurde „Die Alternative Liste“ noch von vielen belächelt, doch Jahre später stellten „Die Grünen“ schon einen Umweltminister in Hessen, der noch einige Jahre später sogar Außenminister der Bundesregierung wurde. Umweltschutz wurde wichtig, das begriffen immer mehr Bürger. Es wurden Abgaskatalysatoren für Autos eingeführt, es gab immer mehr Naturschutzgebiete (weil so viele Tiere von Aussterben bedroht waren) und die Mülltrennung wurde eingeführt. Das passierte auch alles erstmal nur im Westen, die Ostregierung beschäftigte sich mit solchen Themen nicht. Da gab es andere Prioritäten. Darum waren in Berlin und den kleinen Städten in Grenznähe die westdeutschen Bürger dann nach der Wende auch ziemlich schockiert, als die Ost-Bürger mit ihren Trabbis zum einkaufen kamen und die Luft massiv verpesteten. Ich weiß nicht, mit welchem Zwei-Takter-Gemisch diese Fahrzeuge liefen, aber es stank  krebserregend.

Viele können sich das heute gar nicht mehr vorstellen. Umweltschutz ist Bürgerpflicht, die Kinder heutzutage bekommen das schon mit der Muttermilch (und später der öko-biologisch zertifizierten Folgemilch) eingetrichtert. Wir haben einen milliardenschweren Finanzskandal bei VW, weil der Konzern mit Abgaswerten geschummelt hat (nur mal zur Erinnerung: in meiner Jugend gab es noch nicht mal eine vorgeschriebene Abgasuntersuchung beim TÜV). Wir haben eine „Umweltzone“ in den verkehrsbelasteten Innenstädten, in der nur schadstoffarme Fahrzeuge verkehren dürfen. Wir haben Jahreskarten für den öffentlichen Personennahverkehr, die sich „Umweltkarte“ nennen. Wir schaffen die Atomkraftwerke ab! Sauberer Strom für alle! Ich könnte jetzt noch 1000 Neuerungen aufzählen, die uns Deutschen das Gewissen beruhigen, weil wir umwelttechnisch zu den Vorreitern, ach was, zu den Vorgaloppierern, gehören. Aber ich hasse Heuchelei! Und wir Deutschen sind ziemlich gut darin, Wasser zu predigen und selbst Wein zu trinken.

Ich will hier nicht eine ganze Nation an den Pranger stellen. Die meisten Menschen in unserem Land sind harmlose, aufgeschlossene, friedfertige und gesetzestreue Wesen, und das gilt für alle Haut- und Haarfarben, für Männlein und Weiblein, für Gläubige und Atheisten und natürlich für Homos und Heteros gleichermaßen. Aber wie in jeder Nation gibt es auch bei uns die Ausnahmen. Mich beschäftigen auf dieser Homepage-Seite nur die Umweltsünder, wobei ich manchmal den Wortteil „Sünder“ für zu zärtlich halte. Ein Verstoß gegen Umweltvorschriften ist nämlich keine Bagatelle und kein Kavaliersdelikt (siehe oben: VW-Abgasskandal). Es kann üble, sogar lebensgefährliche Folgen haben, wenn man die Natur schädigt, sei es aus Dummheit, aus Faulheit oder aus Egoismus. Wenn sich jeder seine eigenen Regeln macht, nach dem Motto „wenn nur ich das mache, wird das ja nicht so schlimm sein“, dann findet bald jeder einen persönlichen Grund, unsere Natur „nur ein kleines Bisschen“ zu vernichten.

Dabei wollen die Menschen alle eine schöne, blühende, duftende und unverfälschte Landschaft, in die sie aus dem Alltag und dem Stress und dem Beton der Großstadt entfliehen können. Sie wollen zwitschernde Vögel, wilde Wiesen, urige Wälder, unberührte Berge und glasklare Badeseen mit einem sauberen Sandstrand. Und was tun sie dafür?

Sie fahren mit ihren öltriefenden Autos auf den schmalsten Waldwegen.  Dabei läuft der CD-Spieler vom  Autoradio auf voller Lautstärke und spielt Rock, Techno oder Schlager. Das Fenster ist natürlich herunter gelassen, um die frische Luft zu genießen. Oder man fährt gleich „oben ohne“ im Cabrio, dann ist die Lieblings-Musik noch lauter, und man hört garantierte keinen einzigen Vogel mehr, selbst wenn es einen gibt, der noch nicht Reißaus genommen hat.

Sie fahren mit klapperigen Rostlauben bis auf den höchsten Aussichtpunkt am Berg, und sie parken auf naturbelassenen Wiesen, damit sie am Badesee die Campingsitzgarnitur auspacken und den mitgebrachten Grill aufstellen können (die Kohle wird im Unterholz entsorgt, die Notdurft übrigens auch) und verbuddeln ihren Müll im Sand. „Nach mir: die Sintflut!“ war ein beliebtes Zitat in meiner Jugend. Es stand für „Hauptsache, mir geht es jetzt grade gut!“. Das trifft den Kern.

Ich bin diesen Menschen sehr böse, weil sie die Natur arg strapazieren, und ich kann nichts gegen dieses Verhalten machen. Das Ordnungsamt, das für solche Delikte zuständig wäre, ist am Wochenende  eben „im Wochenende“ (verständlich, aber diese Ordnungswidrigkeiten passieren nun mal fast immer am Wochenende). Die Polizei hat Wichtigeres zu tun, deshalb kommt sie nicht. Also kommt keiner, um die Umweltverschmutzer  in ihre Schranken zu weisen,  und das wissen die ganz genau. Und darum werden sie auch immer dreister, und es werden immer mehr. Sie bringen sogar ihre Kinder mit und erziehen diese somit zu Umweltsündern. Das ist traurig und besorgniserregend.

Die nachfolgenden, einzelnen Geschichten erzählen von ganz besonders schlimmen Umweltsünden. Vielleicht denkt ja mal der eine oder andere darüber nach und verzichtet in Zukunft auf solche Aktionen. Auch, wenn er dadurch ein paar Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen muss. Aber wir müssen weg von diesem Verhalten, dass erholungssuchende Bürger wie „Heuschreckenplagen“ durch die Landschaft ziehen, alles abgrasen und ruinieren, um dann den nächsten Ort heimzusuchen. Wer nicht glaubt, dass es sich lohnt, kann sich ja mal meine Seite der „heimischen Vögel“ reinziehen. Die Vögel leben alle hier, weil zum Glück noch nicht genug „Erholungsuchende“ hier waren, um alles kaputt zu machen.

Dies ist ein Apell an alle Erholungssuchenden: Zurück zur Natur? Gerne, aber bitte zu Fuß! Also verzichtet auf die Bequemlichkeit, schnürt lieber die Wanderstiefel oder entstaubt die Fahrräder, und beladet Euch nur mit dem nötigsten Gepäck. Nehmt Rücksicht auf Flora und Fauna und verlasst jeden Ort, den ihr besucht, so, wie ihr in gerne vorfinden würdet. Danke!