Kolkrabe

Vorkommen:

ganzjährig am Seddiner See, an der großen Wiese und am Pfefferfließ

Merkmale:        

sehr großer (Bussardgröße), komplett schwarzer Vogel, in der Sonne metallisch glänzend, kräftiger schwarzer Schnabel, ruft tief und sonor „Krok, krok“, Schwanz gespreizt rautenförmig, allein oder paarweise auftretend, selten mal zu dritt

Nahrungsverhalten:     

keine Ahnung, was er frisst, aber ich habe ihn schon auf abgeerntneten Feldern gesehen

Fortpflanzung:

baut grobe Nester hoch oben in Kiefern aus dickeren Zweigen

Begegnungen:

Wie ich schon im Kapitel für die Nebelkrähe ausführlich geschrieben habe, ist es gar nicht so leicht, Rabenvögel auseinander zu halten (wenn man von den besonders auffälligen Exemplaren wie der Elster und dem Eichelhäher mal absieht). Allerdings bin ich immer davon ausgegangen, dass die legendären Raben (wie der Kolkrabe) in unseren Breitengraden gar nicht vorkommen. Erstens hatte ich noch nie einen Raben gesehen, der ja bekanntlich größer ist als Krähen, und außerdem stand in meinem schlauen Buch, dass es ihn eher in Süddeutschland geben würde (was ja ersteres erklären könnte).

2016 im Mai fotografierte ich in Ermangelung anderer lohnender Motive einen dunklen Vogel, der ziemlich weit entfernt vor grauem Himmel über die große Wiese flog. Ich hielt ihn wegen seiner Größe für meinen Lieblingsbussard oder seinen/ seine Partner(in), die sich in den vergangenen Tagen etwas rar gemacht hatten. Dann lenkte mich allerdings ein Rehpärchen ab, das ich vor meinem Hund beschützen musste.

Vergleich Nebelkrähe (oben) und Rabe

Zu Hause freute ich mich dann auch mehr auf die Rehfotos, als auf den Vogel, denn von meinen Bussarden hatte ich schon tolle Fotos im Sonnenlicht und aus nächster Nähe. Aber ich wunderte mich dann doch, dass der große Vogel eine Krähe gewesen sein sollte. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl für die Größe eines Vogels, auch wenn er weit entfernt durch die Lüfte schwebt. Und meine vertrauten Nebelkrähen hätte ich niemals mit meinen Bussarden verwechselt! Zudem war auf einigen Fotos der Schwanz auffällig trapezförmig. Das konnte keine Rabenkrähe sein!

Auf mein schlaues Vogelbuch war nicht unbedingt Verlass, denn der markante Schwanz wurde zwar dem Kolkraben zugeordnet, dass dazugehörige Bild war aber irreführend. Also musste mal wieder das Internet herhalten. Und die Bilder des Kolkraben waren überzeugend, obwohl ich auch mal anmerken muss, dass unter der Rubrik „Kolkrabe“ Bilder von Nebelkrähen und Rabenkrähen auftauchten.

 

Nachdem ich nun für den Raben sensibilisiert war, begegnete er mir regelmäßig. Auch sein dunkler Ruf wurde mir langsam vertraut. Nur noch ein Mal verwechselte ich ihn fast mit einem Bussard. An der Wiese vor dem See gibt es noch ein paar Zaunpfähle, Überbleibsel aus der Zeit, als auf der Wiese Rinder gehalten wurden. Auf denen sitzt gerne ein Bussard, gelegentlich auch ein Falke, und hält Ausschau nach Mäusen. Wegen der Größe tippte ich zunächst auf einen Greifvogel, aber das Gefieder war so dunkel, dass es kein Bussard sein konnte. Wegen der Entfernung waren die Fotos dann auch nicht so brillant, aber so lichtete ich einen sitzenden Kolkraben ab.

An einem Apriltag hörte ich einen Kolkraben am kleinen Seddiner See. Bevor ich ein Foto machen konnte, schwebte er über mich hinweg. Er hatte einen Zweig im Schnabel und steuerte einen Platz in den hohen Kiefern an. Dort entdeckte ich ihn auf einem Nest. Aus weiter Entfernung hörte ich noch einen anderen Raben rufen. Obwohl ich in den nächsten Wochen immer wieder an diesen Ort zurück ging, habe ich den Raben nicht mehr auf dem Nest gesehen. Wahrscheinlich hatte das Paar noch ein besseres Nest tiefer im Wad gelegen.

Rabenvögel sind bekannt für Intelligenz, Stimmenimitation und Luftkapriolen. Der Kolkrabe macht da keine Ausnahme. Ich habe eine nette Fotostrecke, auf der ein Rabe (pausenlos schreiend) lustige Faxen in der Luft macht. Auf einem Foto ist der Kopf verdreht (nur erkennbar, weil der Schnabel „verkehrt herum“ gebogen ist).

 

 

Hier habe ich ein Paar erwischt. Ich hoffe, dass ihre Liebe ewig hält. Sieht gut aus!

Nett war auch das Gruppenbild mit Gänsen (als ob der Luftraum nicht groß genug für alle wäre).

Und dann habe ich noch ein (unscharfes, weil weit entferntes) Foto auf der großen Wiese geschossen, auf dem ein Rabe schienbar einen Stein „erbeutet“ hat. Keine Ahnung, wozu er ihn braucht, aber er flog damit im Schnabel weg.

Im Januar 2019 habe ich mal wieder ein paar schöne Flugbilder von diesem Vogel aufgenommen. In der Sonne glänzt er einfach sagenhaft. Er sah auf diesen Bildern aus, als ob er lacht und das Leben genießt. Diese Fotos möchte ich zeigen.

Der Februar hat grade erst angefangen, und die Temperaturen gehen allmählich wieder nach oben. Aber viele Vögel kommen schon in Balz-Laune. Am Fließ waren mehrere Raben ausdauernd am zanken. Ich bin mir sicher, dass es dabei um Revier-Ansprüche ging und vielleicht auch um das eine oder andere Weibchen, das es zu erobern (oder behaupten) galt. Die Fotos davon waren ganz nett, aber nicht spektakulär. Irgendwann hatte ich aber ein Paar vor der Linse, das solches Gezänk schon hinter sich hatte. Sie folgen in wunderbarer Harmonie und Eintracht.