Sonderrechte

Sonderrechte sind ein sehr facettenreiches Thema. Ich meine damit nicht die Ausnahmen, welche vom Gesetzgeber legitimiert werden, z.B. weil eine dringende Notwendigkeit besteht. Zu kompliziert formuliert? Na, z.B. haben Polizei, Feuerwehr und Rettungswagen für Noteinsätze Blinklichter und Sirenen, welche sie zur Warnung der anderen Verkehrsteilnehmer einschalten, weil sie mit überhöhter Geschwindigkeit die Straßen befahren. Diese Fahrzeuge sind mit „Sonderrechten unterwegs“ (Amtsdeutsch). Das ist eine wirklich wichtige Ausnahmeregelung. Auf dieser Seite stelle ich aber andere Situationen vor, bei denen Bürger geltende Gesetze ignorieren und somit Sonderrechte beanspruchen. Die Motive sind dabei vielfältig, die Vergehen auch!

Sonderrechte für Film und Fernsehen

Ich kenne niemanden, der von sich sagt, dass er noch nie im Kino war, weil er z.B. Filme hasst. Ich kenne auch niemanden, der noch nie ferngesehen hat (meine Generation kennt noch Schwarzweißfernsehen). Die Sendungen, die man sich gerne ansieht, müssen ja irgendwie herstellt („gedreht“) werden. Da wird von der Bevölkerung schon mal etwas Kooperation erwartet. In Berlin z.B. werden da gelegentlich ganze Straßenzüge gesperrt, Bürgersteige blockiert und kleine Nebenstraßen mit Wohnmobilen für die Mitwirkenden zugeparkt. Aber diese Aktionen sind (soweit ich weiß) bei der Stadt angemeldet und genehmigt, denn man braucht eine Erlaubnis, um z.B. Parkverbotsschilder aufzustellen. Die meisten Bürger sind da übrigens ziemlich tolerant, kommen neugierig an den Drehort und stellen Fragen zum Film, wenn sich jemand findet, der Auskunft gibt. Insgesamt ist ein Filmset weniger nervig als eine Baustelle. Es gibt weniger Lärm, und die Mannschaft ist meistens nach ein paar Tagen wieder weg.

Auch in unserem und dem angrenzenden Dorf wurden schon mehrfach Szenen für Filme oder Serien gedreht. Solange sich die Dreharbeiten auf den Ortskern konzentrierten, waren wohl auch alle Aktionen angemeldet und bewilligt. Aber in einem Jahr stellte eine Firma plötzlich an der inoffiziellen Badestelle am See mehrere Dixieklos auf. Das fand ich seltsam und rief die Eigentümer dieses Uferabschnittes an, mit denen ich gut befreundet bin. Die waren auch höchst irritiert! Ich will die Sache gar nicht weiter vertiefen, und für den zweiten Drehabschnitt ein paar Monate später wurden die Besitzer dann um Erlaubnis gefragt. Trotzdem hat so eine Invasion von Kraftfahrzeugen natürlich Folgen für die Natur (siehe vorherige Kapitel). Da könnten die Künstler von Film und Fernsehen vielleicht mal über ein paar sanftere Methoden nachdenken und ein paar Autos weniger auf wilden Wiesen parken! Wie wäre es z.B. mit: „Material ausladen und das Kfz entfernen“? Es kann zum Einladen ja später wieder kommen.

Sonderrechte für Wildcamping

Mit den ersten Wildcampern habe ich vor Jahren versucht, sachlich zu diskutieren. Es waren Angler, die angeblich vom Fischer am See die Erlaubnis bekommen hatten, überall zu lagern, wo sie wollen. Das war natürlich schon deshalb absurd, weil der Fischer den See gepachtet hat und nicht alle Uferabschnitte. Diese sind entweder gemeindeeigener oder privater Besitz, und über beides kann der Fischer nicht bestimmen. Damals habe ich auch etwas über das deutsche Recht gelernt, denn Campen (verboten) und Lagern (erlaubt) sind zwei ganz verschiedene Angelegenheiten. Der Unterschied besteht in der Beschaffenheit des Zeltbodens! Solange das aufgestellte Zelt nämlich keinen Boden hat, darf es außerhalb von Campingplätzen aufgestellt  und bewohnt werden (wenn der Besitzer des Grundstücks keine Einwände erhebt oder Verbotsschilder aufgestellt hat). Sogar für unbegrenzte Zeit! Dieser Gesetzesteil muss dringend überarbeitet werden. Denn es hat sich natürlich herum gesprochen (wahrscheinlich gibt es im Internet dafür ganz spezielle Seiten), dass man an unserer inoffiziellen Badestelle am See ungestraft wochenlang lagern kann. Sie wurde in diesem Sinne auch jahrelang malträtiert: Büsche wurden entfernt, um Platz für noch mehr Zelte zu schaffen, das Schilf wurde gerodet (ist verboten), und es wurden regelmäßig Feuer entfacht, deren Reste im Unterholz ablegt wurden. Und natürlich diente der restliche Schilfgürtel als Bereich für die Verrichtung der Notdurft. Der Angler kommt ja nicht allein, so dass die Natur die Exkremente von bis zu 6 Männern aushalten muss (ich habe in 5 Jahren bisher erst 2 x eine Frau bei den Wildcampern gesehen).  Sie blockieren den Platz geschickt und vorsätzlich, so dass niemand sie stört, und machen es sich gemütlich. Ich könnte 100 Bilder von verschiedenen Umweltsündern zeigen, aber hier gibt es jetzt nur 2. Und auf einem ist sogar das Boot zu sehen, das keine Ruder hat, aber einen Motor. Das ist auf unserem See verboten! Das hat der Fischer ihnen ganz bestimmt gesagt!

Sonderrechte für Holzarbeiten

Die meisten Wälder in Deutschland sind, glaube ich, in Privatbesitz. Einige werden Forstwirtschaftlich genutzt, andere vernachlässigt. Ich kenne mich mit Rechten und Pflichten von Waldbesitzern nicht aus, und es wäre mir auch egal. Solange sie sich an die Abholzzeiten halten, die zwischen dem 30.09. und 29.02. des Jahres liegen. Leider hält sich in meiner Region niemand an diese Vorgaben. Da wird „Holz gemacht“, wann es gefällt. Sogar großflächige Wald-Aktionen mit schwerem Gerät, die sicher vom Waldbesitzer vorgenommen wurden, fielen schon in den September oder März. Dabei wird der Wald brutal bearbeitet! Die gigantischen, fast vollautomatischen „Baum-fäll-und-mach-die-Äste-ab-und-säg-die-Stämme-auf-Einheitslänge-dann-stapel-sie-auf“-Maschinen sind beeindruckend und unaufhaltbar. Kein Busch und kein Jungbaum kann sie aufhalten. Mir blutet das Herz bei so viel Zerstörung, aber die Natur kann das verkraften. Schon im nächsten Jahr sind die „Baustellen“ von jungen Trieben überwuchert. Und mancher halb-gefällte Jungbaum erholt sich und wächst dann eben etwas schief weiter. Die kommerziellen Holzmacher sind nicht das Problem des Waldes, sondern allenfalls ein Ärgernis für die Pilzsucher.

Baumfällerarbeiten ziehen die Hobby-Klauer an. Ich habe kein Problem mit Leuten, die dickere Äste, welche von den Forstwirtschaftlern nicht verwertet und kreuz und quer im Wald verteilt werden, abholen, um den eigenen Kamin zu beheizen. So lange sie es mit der Schubkarre tun! Wenn sie dafür mit dem Pkw oder Transporter kommen und weitere Schneisen in den Wald fahren bzw. diese verdichten, bin ich verärgert. Es haben schließlich andere Leute Geld investiert, um ihnen kostenlos Brennholz zu bescheren. Da darf man auch mal ein bisschen ins Schwitzen kommen, und die Stücke aus dem Wald tragen! Ich bleibe dabei: Kraftfahrzeuge gehören auf die Straße, nicht in die Natur!

Allerdings gibt es bei uns auch ganz besondere Spezialisten, welche bereits transportabel gesägtes und sogar gehacktes Holz von Privatgrundstücken in ihre Kraftfahrzeuge einladen. Wir hacken unser Brennholz am Weg vor unserem Grundstück in dem Bereich, der nicht eingezäunt ist. Da hat sich doch wirklich mal jemand an dem gestapelten Holz bedient und schnell seinen „Caddy“ vollgeladen, bevor er von mir gestört wurde, und ist dann, trotz Ansprache, schnell weggefahren. Ja, solche Menschen gibt es auch!

Sonderrechte für bestellte Felder

Wo wir schon mal beim Klauen sind: Sonnenblumen haben eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Menschen! Man kann sie übrigens zur entsprechenden Jahreszeit auf dem Markt kaufen! Aber wer ein Sonnenblumenfeld in der Nähe hat, spart sich lieber das Geld. Ich sehe regelmäßig (nicht nur in unserer Gemeinde, wenn wir denn mal ein solches Feld haben) Leute, die sich schamlos an der Arbeit des Bauers bedienen. Allerdings tun das auch die Wildtiere (besonders Rehe), darum will ich nicht zu streng sein. Aber die Dame auf dem folgenden Bild war besonders heuchlerisch. Ich traf sie einige Minuten vor ihrem Diebstahl, und sie bemerkte unschuldig, dass sie sich nur eine Blume für die Vase holen wollte, denn der Rest wäre ja schon verdorrt. Ich sah sie 2 große Sträuße abpflücken, jeder hatte mindestens 10 Blüten. Und sie brauchte lange – nur die Besten und Größten!  Na, das war dann wohl doch Diebstahl, denn entweder hat sie ihre Freundinnen mit den kostenlosen Blumen beschenkt oder sie hat die Blumen an ihrem privaten „Straßenstand“ als kleine Sträuße verhökert!

Sonnenblumen bleiben lange stehen, bevor sie geerntet werden, auch wenn sie längst verblüht sind. Denn der Bauer möchte schon, dass die Sonnenblumenkerne ordentlich ausgereift sind, schließlich sie sind ja der Wirtschaftszweck, nicht etwa der Blumenverkauf. Die Vögel freut das, und sie fallen in Scharen über die sättigende Nahrung her. Aber dem Bauer bleibt immer noch genug. Nun finden einige Vogelfreunde, dass man sich einige „Köpfe“ sichern sollte, um die Gartenvögel durch den Winter zu bringen, am besten, bevor das Feld gemäht wurde. Das ist auch wieder Diebstahl. Liebe Vogelfreunde: NACH der Ernte liegen genug Köpfe rum, die nicht mehr verwertet werden, denn der Bauer klaubt nicht auf 10 Hektar Acker die Reste auf! Bitte bedient Euch dann erst und lasst auch noch was für die Wiesenvögel zurück!

Sonderrechte für Pferde

Ich mag Pferde und bin früher auch selbst gerne geritten. Ich habe dieses Thema schon unter der Kategorie „Zurück zur Natur“ angeschnitten. Aber seit diesem Jahr fallen mir die Pferdeäpfel auf, die überall zu finden sind. Egal, wo ich mit meinem Hund spazieren gehe: die Fäkalien sind schon da! By the way: mein Hund kackt nicht auf den Weg!

Ich werde meine Seite nicht mit Fotos von Pferde-Exkrementen zumüllen (reicht, dass die Wege voll davon sind). Dabei hätte ich unzählige! In unserem Nachbardorf wurden Mülleimer für Beutel mit Hundekot aufgestellt, und in der lokalen Nachrichten-Zeitung gab es einen Appell an die Hundehalter. Aber niemand schert sich um die Pferdeäppel, die täglich frisch auf den Fußgänger- und Waldwegen und Straßen zu finden sind. An einem der letzten Sommertage wollten mein Sohn und ich nochmal in den See. Er bat mich, die verborgene Zugangstelle zu nutzen, weil dort im Wasser weniger Steine sind. Allerdings mussten wir barfuß auf dem schmalen Weg über einen Pferdeapfelhaufen springen. Diese Stelle war wohl auch bei Reitern sehr beliebt, die ihrem Ross mal eine Abkühlung verschaffen wollten.

Ich weiß, dass Pferdeäpfel ein super Dünger sind! Aber auf den Wegen sind sie einfach nur Kot, der von den Besitzern der Pferde genauso wieder eigesammelt werden sollte wie Hundedreck. Und nicht zu vergessen: die Haufen sind viel größer, weil die Tiere viel größer sind! Wird Zeit für eine Verordnung, wenn es sie nicht schon längst gibt und wie so viele einfach ignoriert wird.

Sonderrechte für Hundehalter

Auch das Thema Hunde habe ich schon bei „Zurück zur Natur“ vorgestellt. Und ich wiederhole mich ungern! Aber hier zeige ich doch mal, wozu Hundehalter (dieser ist sogar aus der Region, aber sicher nicht aus dem Ort) in der Lage sind. Der arme Vierbeiner (offensichtlich kein Langstreckenläufer, aber übergewichtig) wurde aus dem Auto geschmissen und musste folgen. Das arme Tier! Diese gewissenlos in Anspruch genommen „Sonderrechte“ sollten besonders teuer bestraft werden!

 

Vielleicht gehört dieses Thema nicht in die Kategorie „Umweltsünder“! Denn Hunde sind keine Bewohner der Wildnis und darum eher ein sekundärer Bestandteil der Natur. So ist es das eigentlich keine Umweltsünde, sondern nur „nicht artgerechte Tierhaltung“. Aber der Hund ist ein natürliches und lebendiges Geschöpft, und das Vorkommnis schon mehr als nur eine Sünde. Also stelle ich es in dieser Rubrik vor, denn ich hoffe, ich muss nicht noch eine Extraseite für Tierquälerei erstellen.

Sonderrechte für Leute ohne Weitsicht

Ich gebe zu, dass auch bei Waldbrandstufe 5 ein Lagerfeuer direkt an einem See nur wenige Risiken beherbergt, wenn es windstill ist. Aber es ist trotzdem verboten und zudem eine Sauerei, denn der Wasserspiegel wird wieder ansteigen, und dann liegt die Kohle im Wasser. Doch soweit denken die „Naturliebhaber“ nicht und lassen ihren Dreck da, wo er in Ruhe ausglühen kann.

Wer hier aktiv war, kann ich mir nicht mal mit ganz viel Fantasie ausmalen. An der gleichen Stelle hat jemand die Holzkohle aufgenommen (keine Ahnung wie) und auf dem schmalen Weg ausgebreitet, auf dem man zum See runter geht. Einige Steine für die Lagerfeuerumrandung waren auch dabei. Der Weg war dadurch nur mit zusätzlicher Gefahr passierbar.

Der Februar ist vorbei, und die Prophezeiung ist eingetreten. Der Wasserspiegel ist gestiegen, und das Seewasser erreicht die Stelle des Lagerfeuers. Bei Nordwind und etwas Seegang bildet sich an „meiner“ Badestelle harmloser Schaum, der sich hier sichtbar mit den Kohleresten vermischt. Erneut wurde ein Beitrag zur Gewässerverschmutzung langfristig erfolgreich abgeschlossen.

 

Es sind auch schon wieder Leute unterwegs, die am See grillen (wir hatte 2 Tage lang 15° C) und ihren „Einmal-Grill“ einfach an Ort und Stelle lassen. Ich kann das verstehen. Wenn die Leute satt sind, ist das Utensil noch viel zu heiß, um es wieder mitzunehmen. Das machen die Naturfreunde ganz bestimmt, wenn sie das nächste Mal wieder hier sind! Natürlich nur, wenn sie es noch wieder finden. Zwei Tage später wurde es wieder zum „Strand“ runtergetragen, und ein paar Unfähige hatten versucht, in der Schale mit ein paar Holzscheiten ein Lagerfeuer zu machen. Die zart angekokelten Hölzer lagen in der Schale und drum herum. War kein Foto wert!